Tiergestützte Pädagogik

Von der Idee zum Vorhaben

Im Jahr 2009 fand im Frühjahr unsere Projektwoche „Kuhle Schule“ statt. Die Kinder der 3. und 4. Klassen konnten Projekte wählen, in denen sie vieles über Schweine, Schafe, Pferde, Fische oder Hunde lernten und neben der theoretischen Arbeit auch praktische Erfahrungen machen durften. In der Projektgruppe „Rund um den Hund“  war die Arbeitsmotivation der Kinder sehr hoch. Die Kinder lernten viel über die verschiedenen Hunderassen, Verhaltensweisen, Aufzucht, Pflege, Erziehung und Verantwortung für den vierbeinigen Freund. Die Kinder lernten, Gefühle zu äußern und zu erzählen, denn die Hunde, die uns in der Schule besuchten, boten zahlreiche Gesprächsimpulse. Ängste vor dem Hund, konnten in dieser Woche weitgehend abgebaut werden.
Für mich war der Erfolg der Projektwoche der Beginn, mich mit dem Thema „Schulhund“ intensiv zu beschäftigen. Dabei stieß ich auf eine Untersuchung des IEMT (Institut für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung) (1). In diesem Forschungsprojekt wurden die Effekte von Hunden auf eine Klassengemeinschaft von Kindern aus unterschiedlichen Kulturkreisen, am Beispiel einer 1. Klassen untersucht. (2)

Zentrale Ergebnisse der Untersuchung waren folgende:
• Die Kinder zeigen gesteigertes Interesse an Hunden und Tieren im Allgemeinen und verlieren    die anfängliche Scheu.
• Das Klassenklima verbessert sich, die Schulzufriedenheit erhöht sich: Die Kinder gehen mit mehr  Freude zur Schule.
• Die Kinder verfolgten den Unterricht zusehends aufmerksamer und verhielten sich deutlich ruhiger (womit das Vorurteil widerlegt werden konnte, dass Schüler durch den Hund abgelenkt werden).
• Das Aggressionspotential nahm signifikant ab.
• Verhaltensextreme wurden geglättet: Besonders lebhafte und anstrengende Kinder wurden deutlich ruhiger und ausgeglichener, besonders ruhige Kinder traten mehr aus sich heraus und konnten sich zunehmend sozial integrieren.
• Positive Verhaltensänderungen zeigten sich geschlechtsspezifisch unterschiedlich: Vor allem Jungen profitierten verstärkt vom Hund in der Klasse: Negative Verhaltensänderungen konnten nicht festgestellt werden.
• Die Kinder entwickelten die Fähigkeit zur Empathie, einen Schlüsselfaktor sozialer Integration.
• Die Kinder wurden feldunabhängiger, sie steigerten die Fähigkeit, selbständig ein Urteil zu fällen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Hunde in der Klasse bedeutende Katalysatoren für die Entwicklung von Sozialverhalten und der sozialen Integration in Gruppen sind (3).

 

          „Schulhündin Luna “  

   

Name:              Luna                  
Züchtername:   of Golden Kennel
Geschlecht:      weiblich
Geburtstag:      7.5.2010
Rasse:             Labradoodle
Fell:                schwarz mit einem weißen Fleck auf der Brust und an der  rechten Hinterpfote
Gewicht:          z.Zt. noch 8,5 kg

Besonderheiten: Der Labradoodle ist ein speziell für Tierhaarallergiker gezüchteter Hund, der keinerlei Haare verliert. Es vereinen sich im Labradoodle der gutmütige und kinderliebe Labrador Retriever und der intelligente und nicht haarende Königspudel.

Charakter eines Schulhundes
- freundlich
- ausgeglichen
- lässt sich gerne streicheln
- hat Grundvertrauen (gute Bindung zum Lehrer)
- stressresistent
- gut erzogen (siehe Hundeschule)
- nicht schreckhaft
- nicht schmerzempfindlich
- kann alleine bleiben
- sicher im Umgang mit Neuem… uvm.

 Aufgaben eines Schulhundes und Ausbildung

Luna wird mich im Rahmen der tiergestützten Pädagogik regelmäßig in den Unterricht begleiten, um eine individuelle Förderung der Schüler zu unterstützten und ein effektiveres Arbeiten in der Klasse zu ermöglichen. Ziel ist es auch, dass die Kinder Aufgabenbereiche übernehmen, z.B. für frisches Wasser sorgen und mit ihr in den Pausen regelmäßig spazieren gehen.

  

Da Luna z.Zt. erst 14 Wochen alt ist, hat auch sie noch eine Menge zu lernen.
So ist es selbstverständlich, dass sie bis zur 20. Lebenswoche 1x wöchentlich die Welpenschule besucht, in der sie die wichtigsten Regeln des Zusammenlebens zwischen Mensch und Hund erlernt.
Es schließt sich die Junghundeschule an, die bis zum Ende des 1. Lebensjahres geht und in der die in der Welpenschule gelernten Kommandos wie „Sitz“, „Platz“, „Bleib“, „Komm“ und Leinenführung weiter trainiert werden. Hinzu kommen Tricks, Spiele und Trainingsspaziergänge.

                                                                                                              N. Mahne

1. www.iemt.at
2. Diese Studie wurde auf der 9. Internationalen Konferenz über die Mensch-Tier-Beziehung in Rio 2001 präsentiert.
3. www.iemt.at – Projektbeispiele Östereich – Bessere Integration von Schulkindern – Forschungsgruppe des Instituts für Psychologie unter der Leitung von Univ. Prof. Dr. Giselher Guttmann.